DIN VDE 0100 für Heimwerker: Was drinsteht und was Sie dürfen
DIN VDE 0100 ist keine einzelne Vorschrift, sondern eine Normenreihe mit vielen Teilen. Sie beschreibt, wie elektrische Anlagen bis 1.000 V errichtet werden. Wer hier landet, sucht meist etwas anderes als Normentext — nämlich die Antwort auf: Darf ich das selbst machen?
Die ehrliche Antwort zuerst
An der festen Installation — alles hinter dem Zähler, was fest verlegt ist — darf in Deutschland nur arbeiten, wer im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Das steht nicht in der VDE-Norm, sondern in § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV).
Was das praktisch bedeutet:
- Geht: Geräte mit Stecker anschließen. Leuchtmittel wechseln. Eine Steckdosenleiste einstecken.
- Geht nicht: Steckdosen oder Schalter tauschen, Leitungen verlegen, am Verteiler arbeiten, einen Automaten setzen.
Der übliche Einwand lautet, das mache doch jeder. Der Einwand stimmt und ändert nichts an zwei Folgen: Bei einem Schaden kann die Versicherung kürzen oder verweigern, und bei einem Personenschaden wird die Frage nach der Fachkunde gestellt. Beides trifft nicht die Norm, sondern den, der gebohrt hat.
Das heißt nicht, dass die Norm für Sie uninteressant ist. Im Gegenteil: Wer versteht, was der Elektriker tut und warum, plant besser, holt bessere Angebote ein und erkennt, wenn etwas nicht stimmt.
Die Teile, die im Wohnbau zählen
- 0100-410 — Schutz gegen elektrischen Schlag. Hier steht die Pflicht zum FI-Schutzschalter mit 30 mA für Steckdosenstromkreise. Was der tut, erklärt Was ist ein FI-Schalter.
- 0100-420 — Schutz gegen thermische Einflüsse. Erwärmung, Brandschutz, seit 2018 auch der Überspannungsschutz in Wohngebäuden: Typ 1, 2 und 3.
- 0100-430 — Schutz bei Überstrom. Die Abstimmung von Leitung und Schutzorgan. Die Rechenseite steht in Kabelquerschnitt berechnen.
- 0100-520 — Kabel- und Leitungsanlagen. Verlegearten und Strombelastbarkeit, Grundlage der Strombelastbarkeitstabelle.
- 0100-540 — Erdung und Schutzleiter. Siehe Potentialausgleich und Erdung.
- 0100-600 — Prüfungen. Was nach der Errichtung gemessen und dokumentiert wird. Das Prüfprotokoll ist der Beleg, den Sie sich geben lassen sollten.
- 0100-701 — Räume mit Badewanne oder Dusche. Die Schutzbereiche 0, 1 und 2 bestimmen, welches Betriebsmittel wo sitzen darf.
DIN VDE 0100 gegen DIN VDE 0105-100
Zwei Nummern, die verwechselt werden. 0100 regelt das Errichten, 0105-100 den Betrieb — also auch Instandsetzung und Arbeiten an bestehenden Anlagen. Aus 0105-100 stammen die fünf Sicherheitsregeln.
Die fünf Sicherheitsregeln
- Freischalten
- Gegen Wiedereinschalten sichern
- Spannungsfreiheit feststellen
- Erden und kurzschließen
- Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken
Sie gelten in dieser Reihenfolge, und Schritt 3 ist der, den Laien am häufigsten überspringen. Ein ausgeschalteter Automat ist kein Beweis — Beschriftungen im Verteiler stimmen erstaunlich oft nicht.
Was Sie ohne Berechtigung sinnvoll tun können
- Bedarf planen. Wie viele Anschlüsse wo — Grundlage ist DIN 18015.
- Vorab rechnen. Querschnitt, Spannungsfall, Verteilergröße. Wer mit Zahlen ins Gespräch geht, bekommt vergleichbare Angebote.
- Material selbst beschaffen. Viele Betriebe montieren beigestelltes Material. Verteiler, Automaten, FI-Schalter.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Kurz zusammengefasst
- DIN VDE 0100 regelt das Errichten, 0105-100 den Betrieb.
- Wer an der festen Anlage arbeiten darf, regelt § 13 NAV — nicht die Norm.
- Laien: Stecker ja, feste Installation nein.
- Die fünf Sicherheitsregeln gelten in ihrer Reihenfolge.
- Planen, rechnen und Material beschaffen dürfen Sie uneingeschränkt.