FI-Schalter nachrüsten: Wann es geht und wann nicht
In vielen Altbauwohnungen sitzt kein FI-Schutzschalter. Bestandsschutz erlaubt das — die Anlage muss nicht geändert werden, nur weil die Norm sich weiterentwickelt hat. Sinnvoll ist das Nachrüsten trotzdem, denn der FI ist das einzige Bauteil, das den Menschen schützt und nicht die Leitung.
Die eine Voraussetzung, an der alles hängt
Ein FI-Schalter vergleicht hin- und rückfließenden Strom. Damit das funktioniert, müssen Neutralleiter und Schutzleiter getrennt sein.
In älteren Anlagen sind sie das oft nicht. Bei der klassischen Nullung laufen beide Funktionen auf einem gemeinsamen Leiter (PEN), der erst am Gerät aufgeteilt wird. Über diesen gemeinsamen Leiter fließt Betriebsstrom zurück — der FI sähe eine ständige Unsymmetrie und könnte seine Aufgabe nicht erfüllen.
Daraus folgt die ganze Kostenspanne:
- Anlage hat bereits getrennten PE (drei- oder fünfadrige Leitungen, TN-S). Der FI wird in den Verteiler gesetzt, sofern Platz ist. Überschaubarer Aufwand.
- Klassische Nullung. Der betroffene Bereich muss auf getrennten Schutzleiter umgebaut werden — das heißt in aller Regel neue Leitungen. Dann ist es keine Nachrüstung mehr, sondern eine Neuinstallation dieses Teils.
Welcher Fall vorliegt, sieht man nicht am Verteiler von außen. Das stellt eine Elektrofachkraft mit einer Messung fest — und nur diese Feststellung entscheidet, ob von 80 € oder von mehreren tausend die Rede ist.
Drei Wege, wenn die Voraussetzung stimmt
- Ein FI für mehrere Stromkreise. Günstig und platzsparend. Nachteil: löst er aus, ist alles dunkel, was dahinterhängt — und die Fehlersuche wird mühsam. FI-Schutzschalter.
- FI/LS je Stromkreis. Ein Gerät, das Fehlerstrom- und Leitungsschutz vereint. Ein Fehler trennt nur den betroffenen Kreis. Braucht mehr Platz und kostet mehr, ist aber im Fehlerfall unbezahlbar. FI/LS-Schalter.
- Mehrere Gruppen-FI. Der Mittelweg: die Kreise auf zwei oder drei FI aufteilen, damit nie die ganze Wohnung ausfällt.
Platz im Verteiler
Ein zweipoliger FI braucht zwei Teilungseinheiten, ein vierpoliger vier. Wo alle Reihen belegt sind, kommt vor dem FI die Frage nach dem Verteiler. Nachrechnen: Verteiler-Rechner, Hintergrund in Verteilerkasten dimensionieren. Verteiler im Sortiment.
Welcher Typ
Für die Wohnungsinstallation Typ A. Sobald Wallbox oder Photovoltaik dazukommen, ändert sich die Antwort — siehe FI-Typ A, B oder F oder den FI-Typ-Finder. 30 mA für den Personenschutz; 300 mA sind Brandschutz und ersetzen ihn nicht.
Wann es ohnehin fällig wird
Bestandsschutz endet für den Teil, der angefasst wird. Wird ein Stromkreis erweitert oder erneuert, gilt für ihn der aktuelle Stand — und der verlangt den FI. Wer also die Küche neu machen lässt, bekommt ihn dort zwangsläufig.
Nach dem Einbau: Prüftaste drücken. Und danach halbjährlich, sonst weiß niemand, ob die Mechanik noch arbeitet. Löst er im Betrieb grundlos aus, stehen die Ursachen in FI-Schalter löst aus.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Kurz zusammengefasst
- Getrennter Schutzleiter ist Bedingung — klassische Nullung schließt den FI aus.
- Diese eine Feststellung entscheidet über die gesamte Kostenspanne.
- FI/LS je Kreis ist teurer und im Fehlerfall deutlich besser.
- Platz im Verteiler vorher prüfen: zwei bis vier Teilungseinheiten.
- Wird ein Kreis erneuert, ist der FI dort ohnehin Pflicht.