DIN 18015: Was eine Wohnung mindestens haben muss
DIN 18015 heißt Elektrische Anlagen in Wohngebäuden. Sie beantwortet zwei Fragen, die beim Planen immer wieder gestellt werden: wie viel muss ein Raum haben, und wo dürfen die Leitungen liegen.
Vier Teile, vier Aufgaben
- Teil 1 — Planungsgrundlagen. Stromkreise, Aufteilung, Spannungsfall. Hier steht auch die Grenze von 3 % Spannungsfall zwischen Hausanschluss und Verbrauchsmittel.
- Teil 2 — Art und Umfang der Mindestausstattung. Wie viele Steckdosen, Beleuchtungsanschlüsse und Kommunikationsanschlüsse ein Raum braucht, gestaffelt nach Raumart und Größe.
- Teil 3 — Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel. Die Installationszonen.
- Teil 4 — Zusätzliche Ausstattung. Die Ausstattungswerte über der Grenze.
Mindestausstattung ist ein Minimum, kein Ziel
Teil 2 nennt für jeden Raumtyp die untere Grenze — abhängig von der Raumfläche. Wohnräume brauchen mehr Steckdosen als Nebenräume, Küchen mehr als Schlafzimmer, und mit der Fläche steigt die Zahl.
Der Name ist Programm: Das ist der Wert, unter den eine Neuinstallation nicht fallen darf. Wer danach plant, bekommt eine normgerechte Wohnung — und in zehn Jahren zu wenig Anschlüsse. Nachträglich eine Dose in eine verputzte Wand zu setzen kostet ein Vielfaches dessen, was sie beim Rohbau gekostet hätte.
Die Ausstattungswerte 1 bis 3
Teil 4 beschreibt drei Stufen, die man häufig als ein bis drei Sterne dargestellt sieht:
- Ausstattungswert 1 — die Mindestausstattung aus Teil 2.
- Ausstattungswert 2 — Standard. Mehr Anschlüsse, mehr Stromkreise.
- Ausstattungswert 3 — Komfort. Zusätzliche Kreise, Kommunikationstechnik, Vorbereitung für Gebäudetechnik.
Für den Verteiler bedeutet jede Stufe mehr Platz. Wie viele Teilungseinheiten daraus werden, steht in Verteilerkasten dimensionieren; ausrechnen lässt es sich mit dem Verteiler-Rechner.
Installationszonen — wo Leitungen liegen dürfen
Teil 3 ist der praktisch folgenreichste Abschnitt. Er legt fest, in welchen Bahnen Leitungen in Wänden verlaufen. Der Sinn ist einfach: Wer später einen Nagel einschlägt, soll wissen, wo nicht.
Waagerechte Zonen, gemessen ab Oberkante Fertigfußboden:
- 15 bis 45 cm — untere Zone
- 100 bis 130 cm — mittlere Zone, hier sitzen die Schalter
- 15 bis 45 cm unter der fertigen Decke — obere Zone
Senkrechte Zonen: 10 bis 30 cm neben Tür- und Fensteröffnungen sowie neben Raumecken.
In Küchen und Hauswirtschaftsräumen kommt eine zusätzliche waagerechte Zone zwischen 100 und 130 cm dazu — die Arbeitsplattenhöhe.
Bäder haben eigene Regeln. Dort greift zusätzlich DIN VDE 0100-701 mit den Schutzbereichen um Wanne und Dusche.
Was das beim Umbau heißt
Bestandsanlagen genießen Bestandsschutz — eine alte Installation muss nicht allein deshalb geändert werden, weil die Norm sich weiterentwickelt hat. Wird ein Bereich aber neu gemacht, gilt für diesen Teil der aktuelle Stand.
Wer eine Wand aufmacht, sollte deshalb nicht nur ersetzen, was da war. Der Moment, in dem der Putz ab ist, ist der einzige günstige Moment für zusätzliche Leitungen.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Kurz zusammengefasst
- Teil 1 plant, Teil 2 nennt das Minimum, Teil 3 die Zonen, Teil 4 die Komfortstufen.
- Mindestausstattung ist die Untergrenze, nicht die Empfehlung.
- Installationszonen: 15–45 cm, 100–130 cm, 15–45 cm unter der Decke; senkrecht 10–30 cm neben Öffnungen.
- Küchen haben eine zusätzliche Zone auf Arbeitsplattenhöhe.
- Beim Umbau gilt für den neuen Teil der aktuelle Stand.