Artikel: Überspannungsschutz nachrüsten: Was im Bestand zu beachten ist
Überspannungsschutz nachrüsten: Was im Bestand zu beachten ist
Seit Dezember 2018 verlangt die Normenreihe DIN VDE 0100 für Wohngebäude einen Überspannungsschutz — bei Neuanlagen und bei erneuerten Anlagen. Bestehende Installationen dürfen weiterlaufen. Nachrüsten ist trotzdem eine der günstigsten Versicherungen, die eine Elektroanlage kennt: Ein Ableiter kostet weniger als ein Wärmepumpen-Steuergerät.
Welcher Typ wofür zuständig ist, steht in Überspannungsschutz Typ 1, 2 und 3. Hier geht es um den Einbau im Bestand.
Der Regelfall: Typ 2 in der Unterverteilung
Ohne äußeren Blitzschutz am Gebäude ist der Typ-2-Ableiter in der Unterverteilung der übliche Nachrüstfall. Gibt es eine Blitzschutzanlage, gehört ein Typ 1 an die Einspeisung — und das ist Sache des Fachbetriebs, nicht eine Frage des Sortiments.
Vier Bedingungen, die vorher zu klären sind
- Platz. Ein vierpoliger Ableiter belegt vier Teilungseinheiten. In einem vollen Verteiler beginnt die Nachrüstung deshalb beim Gehäuse — Verteiler-Rechner.
- Vorsicherung. Der Ableiter braucht je nach Ausführung eine eigene Absicherung. Ist die vorhandene Hauptsicherung klein genug, entfällt sie; sonst kommt sie dazu und kostet weitere Teilungseinheiten.
- Anschlussquerschnitt. Die Anschlussleitungen des Ableiters sind kein Ort für Sparsamkeit. Zu dünn heißt: die Schutzwirkung sinkt, ohne dass es jemand merkt.
- Erdung. Ein Ableiter führt die Energie gegen Erde ab. Wo keine wirksame Erdung und kein Potentialausgleich vorhanden sind, hat er nichts, wohin — siehe Potentialausgleich und Erdung.
Die 0,5-Meter-Regel
Der Punkt, an dem eine Nachrüstung am häufigsten still scheitert. Die gesamte Anschlussleitung des Ableiters — Hinweg vom Außenleiter und Rückweg zur Erdungsschiene zusammengerechnet — soll 0,5 Meter nicht überschreiten.
Der Grund ist physikalisch: Jede Leitung hat Induktivität. Bei den extrem steilen Stromanstiegen einer Überspannung fällt über dieser Induktivität selbst Spannung ab. Je länger die Leitung, desto mehr davon kommt trotz Ableiter am Gerät an. Ein zu lang angeschlossener Ableiter sieht aus wie Schutz und ist keiner.
Praktisch heißt das: Der Ableiter gehört möglichst nah an die Einspeisung des Verteilers und an die Erdungsschiene. Wo das nicht geht, gibt es die V-förmige Verdrahtung, bei der die Betriebsströme über die Anschlussklemmen des Ableiters geführt werden — dann entfällt das Problem.
Was der Ableiter nicht ersetzt
Er schützt vor Überspannung, nicht vor Überlast, Kurzschluss oder Fehlerstrom. Automat und FI bleiben zuständig. Und Typ 3 an der Steckdosenleiste allein schützt das Haus nicht — er ist die letzte Stufe einer Kette, nicht ihr Ersatz.
Überspannungsschutz im Sortiment, Verteilerbauzubehör.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Kurz zusammengefasst
- Seit 2018 bei Neu- und Umbau gefordert, im Bestand freiwillig und sinnvoll.
- Regelfall ist Typ 2 in der Unterverteilung; Typ 1 nur bei äußerem Blitzschutz.
- Vier Teilungseinheiten plus gegebenenfalls Vorsicherung einplanen.
- Anschlussleitung insgesamt höchstens 0,5 m — sonst wirkt der Schutz nicht.
- Ohne wirksame Erdung bringt der beste Ableiter nichts.