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Artikel: Kabelquerschnitt berechnen: Tabelle, Formel und Faustregeln

Verschiedene dicke Mantelleitungen nebeneinander auf einer Werkbank mit Messschieber, Taschenrechner und Notizzettel
Grundlagen

Kabelquerschnitt berechnen: Tabelle, Formel und Faustregeln

Ein zu kleiner Querschnitt wird warm. Nicht sofort und nicht sichtbar — er altert die Isolierung über Jahre, bis sie spröde wird. Ein zu großer kostet Geld und lässt sich in der Dose kaum noch biegen. Dazwischen liegt die richtige Antwort, und sie hängt an mehr als der Stromstärke.

Passende Produkte finden Sie unter Leitungsschutzschalter & Sicherungsautomaten B und C.

Drei Bedingungen, die kleinste gewinnt

Der Querschnitt muss alle drei Bedingungen erfüllen. Maßgeblich ist deshalb immer die strengste:

  1. Strombelastbarkeit. Die Leitung darf sich unter Dauerlast nicht über die zulässige Temperatur erwärmen.
  2. Abstimmung auf das Schutzorgan. Der Leitungsschutzschalter muss auslösen, bevor die Leitung Schaden nimmt.
  3. Spannungsfall. Am Ende der Leitung muss noch genug Spannung ankommen.

Bei kurzen Leitungen entscheidet fast immer Punkt 1 oder 2. Ab etwa 20 bis 30 Metern übernimmt Punkt 3 die Führung — und zwingt oft eine Nummer größer, als die Strombelastbarkeit verlangt.

Strombelastbarkeit nach Verlegeart

Dieselbe Leitung trägt unterschiedlich viel Strom, je nachdem wie sie liegt. Entscheidend ist, wie gut die Wärme abfließen kann. Die Werte gelten für NYM mit drei belasteten Adern bei 30 °C Umgebungstemperatur nach DIN VDE 0298-4:

Querschnitt A2 — in wärmedämmender Wand B2 — im Rohr auf der Wand C — direkt auf der Wand
1,5 mm² 13 A 15,5 A 18,5 A
2,5 mm² 17,5 A 21 A 25 A
4 mm² 23 A 28 A 34 A
6 mm² 29 A 36 A 43 A
10 mm² 39 A 50 A 60 A

Die vollständige Übersicht mit allen Verlegearten steht unter Strombelastbarkeit — Tabelle.

Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: 1,5 mm² in einer gedämmten Wand trägt 13 A — ein B16-Automat schützt diese Leitung nicht zuverlässig. Zweitens: derselbe Querschnitt trägt frei auf der Wand 18,5 A. Die Verlegeart ist keine Nebensache.

Was den Wert weiter senkt

Die Tabellenwerte gelten für den Idealfall. Zwei Faktoren ziehen sie herunter, und beide werden gern übersehen:

  • Häufung. Liegen mehrere Leitungen gebündelt im selben Rohr oder Kanal, wärmen sie sich gegenseitig. Schon vier Stromkreise nebeneinander senken die Belastbarkeit spürbar.
  • Umgebungstemperatur. Über 30 °C sinkt die Belastbarkeit. Im gedämmten Dachboden oder neben einer Heizungsleitung ist das der Regelfall, nicht die Ausnahme.

Abstimmung auf den Leitungsschutzschalter

Der Nennstrom des Automaten muss unter der Strombelastbarkeit der Leitung liegen. In der Wohnungsinstallation ergeben sich daraus die bekannten Paare:

  • 1,5 mm² mit B16 — Licht und Steckdosen, sofern die Verlegeart es hergibt
  • 2,5 mm² mit B16 oder B20 — Steckdosenstromkreise, längere Wege, Häufung
  • 4 mm² mit B25
  • 6 mm² mit B32 — Herd, Durchlauferhitzer

Welcher Buchstabe vor der Zahl steht, entscheidet über das Auslöseverhalten und ist eine eigene Frage: Auslösecharakteristik B, C oder D: welcher Leitungsschutzschalter passt. Passende Automaten führt asvendo unter Leitungsschutzschalter.

Spannungsfall — der Punkt, der lange Wege teuer macht

Jede Leitung hat Widerstand. Über die Länge geht Spannung verloren, und was am Ende ankommt, ist weniger als am Anfang. Die ABB-Planungshilfe, Rev. H (07/2026), erläutert für Wohngebäude ein 3-%-Gesamtbudget hinter der Zähleranlage. Bereits beanspruchte Leitungsabschnitte sind darin zu berücksichtigen; die drei Prozent sind kein pauschales Budget für jeden einzelnen Endstromkreis.

Für einen einphasigen Wechselstromkreis gilt:

Δu = (2 · L · I · cosφ) / (κ · A)

L Leitungslänge in Metern, I Strom in Ampere, A Querschnitt in mm², κ die Leitfähigkeit — für Kupfer 56 m/(Ω·mm²). Die 2 steht für Hin- und Rückleiter. Bei Drehstrom entfällt sie und wird durch √3 ersetzt.

Ein Beispiel, das die Größenordnung zeigt: 16 A über 30 Meter auf 1,5 mm² ergeben rund 11 V Verlust — knapp 5 % und damit über der Grenze. Derselbe Fall auf 2,5 mm² landet bei etwa 3 %. Genau hier entscheidet sich, ob die nächste Größe nötig ist.

Nachrechnen statt schätzen: Kabelquerschnitt berechnen und Spannungsfall-Rechner. Wer den ganzen Verteiler plant, nimmt den Verteiler-Rechner.

Faustregeln — und wo sie enden

Für kurze Wege in normaler Umgebung tragen diese Regeln:

  • Licht: 1,5 mm²
  • Steckdosen: 1,5 mm², ab etwa 20 m oder bei Häufung 2,5 mm²
  • Herd: 5 × 2,5 mm², bei langen Wegen 5 × 4 mm²
  • Durchlauferhitzer: nach Leistung, meist 5 × 6 mm² oder mehr

Sie enden, sobald eines davon zutrifft: mehr als 20 bis 30 Meter Leitungslänge, gebündelte Verlegung, Dämmung rings um die Leitung, Umgebung dauerhaft über 30 °C, oder ein Verbraucher, der den Strom über Stunden zieht. Dann wird gerechnet, nicht geschätzt.

Strombelastbarkeitstabelle richtig lesen

Eine Strombelastbarkeitstabelle liefert keinen einzigen Wert pro Querschnitt. Verlegeart, Zahl der belasteten Adern, Umgebungstemperatur, Häufung und Leitungstyp verändern die zulässige Belastbarkeit. DIN VDE 0298-4 ist das einschlägige Regelwerk; die vollständige Norm ist nicht frei reproduzierbar. Werte aus einer Tabelle dürfen daher nur zusammen mit ihren Randbedingungen verwendet werden.

Die Auswahl wird anschließend mit dem Schutzorgan und dem Spannungsfall abgeglichen. Der kleinste zulässige Querschnitt gewinnt nicht automatisch: Eine lange Leitung oder eine ungünstige Verlegung kann eine größere Ausführung erfordern. Kabelquerschnitt-Rechner ist eine Vorprüfung, keine Freigabe für die Installation. Bei längeren Strecken hilft Spannungsfall berechnen: Formel, Grenzwerte, Grenzlänge bei der Einordnung.

kW in Ampere umrechnen

Für eine überschlägige Einphasenrechnung gilt Strom gleich Leistung geteilt durch Spannung. Das Ergebnis ist nur dann brauchbar, wenn Spannung, Betriebsart, Leistungsfaktor und Dauerbetrieb bekannt sind. Bei Drehstrom oder Motoren gelten andere Annahmen. Die Elektrofachkraft prüft die konkrete Leitung und das Schutzorgan nach den vollständigen Planungsdaten.

Arbeiten an der Elektroinstallation

Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.

Kurz zusammengefasst

  • Drei Bedingungen prüfen: Strombelastbarkeit, Schutzorgan, Spannungsfall. Die kleinste gilt.
  • Die Verlegeart verändert die Belastbarkeit um bis zu 40 %.
  • Häufung und Temperatur senken sie zusätzlich.
  • Ab 20 bis 30 Metern entscheidet der Spannungsfall, nicht die Erwärmung.
  • Grenze nach DIN 18015-1: 3 % vom Hausanschluss bis zum Verbraucher.
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