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Artikel: Überspannungsschutz Typ 1, 2 und 3: was wo hingehört

Geöffneter Aufputz-Verteilerkasten an einer Kellerwand mit einer Reihe Reiheneinbaugeräte, eines der Anzeigefenster leuchtet rot statt grün
Grundlagen

Überspannungsschutz Typ 1, 2 und 3: was wo hingehört

Die Typenbezeichnung sagt nicht, wie gut ein Ableiter ist, sondern wo er hingehört und welche Prüfung er bestanden hat. Wer das verwechselt, kauft einen Typ 3 für die Steckdosenleiste und glaubt, das Haus sei geschützt. Ist es nicht.

Wo die drei Typen sitzen Die Reihenfolge ist keine Empfehlung, sondern Bedingung: jede Stufe setzt die vorige voraus. Haus- anschluss Typ 1 Blitzstrom Hauptverteiler 10/350 µs Typ 2 Überspannung Unterverteilung 8/20 µs Typ 3 Geräteschutz vor dem Verbraucher 8/20 µs TV min. 10 m min. 10 m max. 5 m Ist die Leitung kürzer als 10 m, braucht es stattdessen ein Gerät, dessen Datenblatt die Kombination ausdrücklich freigibt.
Die drei Typen sind keine Alternativen, sondern eine Kette. Typ 3 allein schützt nichts, wenn davor kein Typ 2 sitzt.

Was die drei Typen unterscheidet

Typ 1 — Blitzstromableiter

Geprüft mit der Wellenform 10/350 µs. Diese Kurve bildet einen echten Blitzteilstrom nach: lange Anstiegszeit, sehr große Ladungsmenge. Die Kenngröße heißt Stoßstrom Iimp und wird in Kiloampere angegeben. Typ 1 sitzt am Hausanschluss oder in der Hauptverteilung — dort, wo der Strom ins Gebäude kommt.

Pflicht wird Typ 1 vor allem dann, wenn das Gebäude einen äußeren Blitzschutz hat oder eine Freileitung einspeist. Ohne äußeren Blitzschutz reicht in vielen Wohngebäuden Typ 2.

Typ 2 — Überspannungsableiter

Geprüft mit 8/20 µs, der Wellenform für ferne Blitzeinschläge und Schaltüberspannungen. Die Kenngröße ist der Nennableitstoßstrom In. Typ 2 sitzt in der Unterverteilung und ist in der Praxis der wichtigste Ableiter: Er fängt alles ab, was nicht direkt einschlägt — und das ist der weit überwiegende Teil aller Schäden.

Typ 3 — Geräteschutz

Ebenfalls 8/20 µs, aber deutlich kleiner ausgelegt. Typ 3 sitzt höchstens fünf Meter vor dem Endgerät und fängt das ab, was Typ 2 durchlässt — den sogenannten Schutzpegel. Als Steckdosenleiste, Zwischenstecker oder Reiheneinbaugerät.

Warum die Reihenfolge Bedingung ist und keine Empfehlung

Der Fachbegriff heißt energetische Koordination. Jede Stufe darf nur so viel Energie an die nächste weitergeben, wie diese verkraftet. Das funktioniert, weil zwischen den Stufen Leitung liegt: Leitungsinduktivität verzögert und dämpft. Als Faustregel gelten mindestens zehn Meter zwischen Typ 1 und Typ 2 und noch einmal zehn Meter zwischen Typ 2 und Typ 3.

Liegt weniger dazwischen — etwa wenn Haupt- und Unterverteilung im selben Raum stehen —, braucht es entweder eine Entkopplungsdrossel oder Geräte, deren Datenblatt die direkte Kombination ausdrücklich freigibt. Ein Typ 3 unmittelbar hinter einem Typ 2 ohne diese Freigabe wird im Ernstfall zerstört, bevor er begrenzt.

Was seit 2018 gilt

Mit der DIN VDE 0100-443 und -534 ist Überspannungsschutz für neue und wesentlich geänderte Anlagen in Wohngebäuden faktisch verbindlich geworden. Die Norm verlangt eine Risikobetrachtung; bei Wohngebäuden fällt sie regelmäßig zugunsten des Schutzes aus, weil der Ausfall der Anlage und der Verlust der darin gespeicherten Daten als erhebliche Folge gelten. Praktisch heißt das: mindestens Typ 2 in der Verteilung.

Drei Fehler, die immer wieder passieren

1. Ableiter hinter dem FI ohne passende Beschaltung

Sitzt ein Typ 2 hinter dem Fehlerstromschutzschalter, fließt der Ableitstoßstrom über den Schutzleiter — und der FI sieht einen Fehlerstrom. Er löst aus, im ungünstigen Fall wird er beschädigt. Der Ableiter gehört deshalb vor den FI. Wenn das nicht geht, braucht es eine 3+1-Beschaltung mit N-PE-Funkenstrecke und einen stoßstromfesten FI.

2. Vorsicherung übersehen

Jeder Ableiter hat im Datenblatt eine maximale Vorsicherung. Ist die vorgeschaltete Sicherung größer, muss eine eigene Vorsicherung gesetzt werden. Ohne sie brennt im Fehlerfall der Ableiter und nicht die Sicherung.

3. Nur die Steckdosenleiste

Eine Leiste mit Typ 3 kostet wenig und suggeriert viel. Sie schützt genau das Gerät, das darin steckt, und auch das nur, wenn in der Verteilung ein Typ 2 sitzt. Alleine ist sie gegen einen nahen Einschlag wirkungslos.

Und die Datenleitung?

Netzwerk-, Antennen- und Telefonleitungen kommen ebenfalls ins Haus und tragen ebenfalls Überspannung. Ein Schutz, der nur die 230 V betrachtet, lässt diesen Weg offen. Wer die Netzwerkverkabelung ohnehin anfasst, findet die Bauteile beim Patchfeld.

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