
Potentialausgleich und Erdung: der Unterschied und warum er zählt
Die beiden Begriffe werden fast immer synonym benutzt und meinen zwei verschiedene Dinge. Der Unterschied ist nicht akademisch — er entscheidet, was womit verbunden werden muss.
Erdung
Die Erdung stellt eine leitende Verbindung zum Erdreich her, über einen Fundamenterder, einen Ringerder oder einen Staberder. Ihre Aufgabe ist, Fehlerströme und Blitzströme abzuleiten und dem Schutzorgan einen Rückweg zu geben, über den es überhaupt auslösen kann.
Potentialausgleich
Der Potentialausgleich verbindet berührbare leitfähige Teile untereinander, damit zwischen ihnen keine gefährliche Spannung entstehen kann. Er führt nicht zwingend zur Erde — er sorgt dafür, dass alles auf demselben Niveau liegt. Wer gleichzeitig zwei Teile berührt, bekommt dann keinen Strom, weil zwischen ihnen keine Spannungsdifferenz besteht.
Das Bild dazu: Die Erdung ist der Abfluss. Der Potentialausgleich ist die Wasserwaage.
Was an die Haupterdungsschiene gehört
Die Haupterdungsschiene sitzt in der Nähe des Hausanschlusses und ist der zentrale Knoten. Angeschlossen werden:
- der Fundamenterder oder ein anderer Erder
- der Schutzleiter der Anlage (PEN oder PE aus dem Hausanschlusskasten)
- metallene Wasser-, Gas- und Heizungsleitungen
- metallene Konstruktionsteile des Gebäudes und Blitzschutzanlagen
- Antennen-, Netzwerk- und Kabelanschlussschirme
Die Verbindungen müssen einzeln lösbar sein — jede Leitung bekommt ihre eigene Klemme. Nur so lässt sich später eine einzelne Verbindung für eine Messung auftrennen, ohne die anderen zu lösen.
Querschnitte
Für den Hauptpotentialausgleich gilt als Anhaltswert der halbe Querschnitt des größten Schutzleiters der Anlage, mindestens 6 mm² Kupfer, und mehr als 25 mm² wird nicht gefordert. Für den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich reichen 2,5 mm² bei geschütztem Verlegen, 4 mm² ohne Schutz. Maßgeblich ist im Einzelfall DIN VDE 0100-540 — die Zahlen hier sind die Größenordnung, nicht der Ersatz für die Norm.
Der zusätzliche Schutzpotentialausgleich im Bad
Er war jahrzehntelang im Badezimmer Pflicht und ist es heute nur noch unter Bedingungen: Er kann entfallen, wenn alle Stromkreise des Raums über einen Fehlerstromschutzschalter mit 30 mA laufen, der Hauptpotentialausgleich vorhanden ist und alle Schutzleiter durchgängig sind. Im Bestand ist meistens mindestens eine dieser Bedingungen nicht erfüllt — dann bleibt er erforderlich.
Ob der vorhandene FI dafür taugt und welcher Typ nötig ist, klärt der FI-Typ-Finder.
Der häufigste Fehler: der Schirm als Erdung
Ein Antennen- oder Netzwerkschirm ist kein Erdungsleiter. Er wird in den Potentialausgleich einbezogen, aber er ersetzt ihn nicht — sein Querschnitt trägt keinen Fehlerstrom. Wer ein Patchfeld über den Schirm „erdet", hat eine Verbindung hergestellt, die im Fehlerfall durchbrennt. Wie es richtig geht, steht im Ratgeber Patchpanel und Patchfeld.
Was asvendo führt
Erdungsschienen, Erder und Bandstahl gehören nicht zum Sortiment. Klemmen für den Verteiler und Gehäuse, in denen die Schiene sitzt, sehr wohl.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Passendes Material
PE- und N-Klemmen finden Sie beim Verteilerbauzubehör, das Gehäuse dazu beim Sicherungskasten. Wie viel Platz die Klemmen belegen, rechnet der Verteiler-Rechner mit.

