
Was ist ein FI-Schalter? Funktion, Typen und Pflicht
Der FI-Schalter ist das Bauteil im Sicherungskasten, das Leben rettet. Er heißt offiziell Fehlerstromschutzschalter oder international RCD (residual current device), und er tut etwas grundsätzlich anderes als eine Sicherung: Er schützt nicht die Leitung, sondern den Menschen.
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Was er misst
Durch jeden Stromkreis fließt genau so viel Strom hin wie zurück. Der FI-Schalter vergleicht beides fortlaufend — den Außenleiter gegen den Neutralleiter. Solange die Summe null ergibt, ist alles in Ordnung.
Nimmt ein Teil des Stroms einen anderen Weg, stimmt die Bilanz nicht mehr. Dieser fehlende Teil heißt Fehlerstrom. Er kann über einen beschädigten Schutzleiter abfließen, über feuchtes Mauerwerk — oder über einen Menschen, der ein defektes Gerät anfasst. Der FI-Schalter unterscheidet diese Fälle nicht. Er sieht nur: hier fehlt Strom, und trennt.
Warum ausgerechnet 30 Milliampere
Die Zahl steht auf jedem Schutzschalter für Steckdosenstromkreise: 30 mA. Sie ist kein runder Wert aus Bequemlichkeit, sondern eine Gefahrengrenze.
Wechselstrom über etwa 30 mA durch den Körper kann Herzkammerflimmern auslösen. Unterhalb davon ist der Stromfluss unangenehm bis schmerzhaft, aber in aller Regel nicht tödlich. Der FI-Schalter löst deshalb aus, bevor dieser Bereich erreicht wird — und schnell genug, dass die Einwirkdauer kurz bleibt. Die Norm verlangt eine Abschaltung innerhalb von 300 Millisekunden beim Nennfehlerstrom und innerhalb von 40 Millisekunden beim Fünffachen.
30 mA oder 300 mA
Beide gibt es, und sie haben verschiedene Aufgaben.
- 30 mA — Personenschutz. Der Standard für alle Stromkreise, an denen Menschen arbeiten oder Geräte einstecken. Alle 30-mA-Schalter im Sortiment.
- 300 mA — Brandschutz. Zu unempfindlich für den Personenschutz, aber genug, um Kriechströme zu erkennen, die über Jahre eine Leitung erwärmen und im schlimmsten Fall einen Schwelbrand auslösen. Sitzt meist als Hauptschalter vor der Unterverteilung. 300-mA-Schalter ansehen.
Die Typen — und warum der falsche nicht schützt
Ein FI-Schalter erkennt nur die Fehlerstromform, für die er gebaut ist. Bei einer anderen Form löst er unter Umständen gar nicht aus — er hängt dann wirkungslos im Verteiler.
| Typ | Erkennt | Wofür |
|---|---|---|
| AC | nur sinusförmigen Wechselstrom | In Deutschland für Neuanlagen nicht zulässig |
| A | zusätzlich pulsierenden Gleichfehlerstrom | Der Normalfall in der Wohnungsinstallation |
| F | zusätzlich Mischfrequenzen | Waschmaschinen und Geräte mit Frequenzumrichter |
| B | zusätzlich glatten Gleichfehlerstrom | Wallbox, Photovoltaik, Ladetechnik |
Typ A deckt die Wohnungsinstallation ab. Sobald Ladetechnik oder eine PV-Anlage dazukommt, wird es eine Einzelfallfrage — dazu gibt es einen eigenen Beitrag: FI-Typ A, F oder B: welcher RCD bei Wallbox, PV und Wärmepumpe. Wer nur schnell den passenden Typ sucht: FI-Typ-Finder.
Wo er vorgeschrieben ist
Nach DIN VDE 0100-410 braucht in Wohngebäuden jeder Steckdosenstromkreis bis 32 A, der von Laien benutzt wird, einen FI-Schutzschalter mit höchstens 30 mA. Dasselbe gilt für Beleuchtungsstromkreise in Wohnräumen und für Stromkreise im Außenbereich.
Für Bestandsanlagen gilt Bestandsschutz: eine ältere Installation muss nicht allein deshalb nachgerüstet werden, weil die Norm sich geändert hat. Sobald aber ein Stromkreis erweitert oder erneuert wird, gilt für diesen Teil der aktuelle Stand.
Was er nicht kann
Der häufigste Irrtum: Ein FI-Schalter ersetze die Sicherung. Das tut er nicht.
- Kein Schutz gegen Überlast und Kurzschluss. Dafür ist der Leitungsschutzschalter zuständig. Er schützt die Leitung, der FI schützt den Menschen — zwei Aufgaben, zwei Bauteile. Wer beides in einem Gerät will, nimmt einen FI/LS-Schalter.
- Kein Schutz, wenn man Außen- und Neutralleiter gleichzeitig berührt. Dann fließt der Strom auf dem regulären Weg zurück, die Bilanz stimmt, und der FI sieht nichts.
Die Prüftaste — und warum sie benutzt werden muss
Auf jedem FI-Schalter sitzt eine Taste mit einem T oder Test. Sie erzeugt künstlich einen Fehlerstrom. Drückt man sie und der Schalter fällt sofort, arbeitet die Mechanik.
Die Hersteller empfehlen, sie halbjährlich zu betätigen. Der Grund ist banal und ernst zugleich: Die Auslösemechanik ist mechanisch und kann über Jahre verharzen oder festsitzen. Ein FI, der nie ausgelöst hat, ist kein guter FI — es ist einer, von dem niemand weiß, ob er noch funktioniert.
Fällt der Schalter beim Test nicht, muss er getauscht werden. Löst er dagegen im laufenden Betrieb ohne erkennbaren Anlass aus, steckt meist ein Gerätefehler oder Feuchtigkeit dahinter — die Ursachen stehen in FI-Schalter löst aus: die häufigsten Ursachen.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Kurz zusammengefasst
- Der FI vergleicht hin- und rückfließenden Strom und trennt bei Abweichung.
- 30 mA schützen Menschen, 300 mA schützen vor Bränden.
- Typ A ist der Regelfall; Wallbox und PV brauchen eine eigene Betrachtung.
- Er ersetzt keine Sicherung — Leitungsschutz bleibt Aufgabe des LS-Schalters.
- Prüftaste halbjährlich drücken. Fällt er nicht, ist er defekt.
