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Artikel: Auslösecharakteristik B, C oder D: welcher Leitungsschutzschalter passt

Nahaufnahme einer Reihe von sechs Leitungsschutzschaltern auf einer Hutschiene
Grundlagen

Auslösecharakteristik B, C oder D: welcher Leitungsschutzschalter passt

Auf jedem Leitungsschutzschalter steht ein Buchstabe vor der Amperezahl: B16, C16, D16. Der Buchstabe beschreibt nicht, wie viel Strom das Gerät dauerhaft verträgt — das ist die Zahl —, sondern wie schnell es bei einem Vielfachen davon abschaltet.

Passende Produkte finden Sie unter Leitungsschutzschalter & Sicherungsautomaten B und C.

Die hier beschriebenen B/C/D-Prüfbereiche betreffen Leitungsschutzschalter für Hausinstallationen und ähnliche Zwecke nach DIN EN 60898-1. Sie sind von den Geräteangaben anderer Schutzschalterarten zu unterscheiden; maßgeblich bleiben das konkrete Produktdatenblatt und die Bedingungen der Prüfung.

Magnetische Schnellauslösung, Vielfaches des Nennstroms 2351020 B 3–5 × In C 5–10 × In D 10–20 × In B/C/D-Prüfbereiche nach Herstellerdokumentation · logarithmisch aufgetragen
Der Buchstabe bezeichnet ein magnetisches Prüfband: an der unteren Grenze kein Auslösen innerhalb von 0,1 s, an der oberen Grenze Auslösen innerhalb von 0,1 s. Die thermischen Prüfungen verwenden unter anderem 1,13 × In (kein Auslösen während der Prüfzeit) und 1,45 × In (Auslösen innerhalb der Prüfzeit). Die Prüfzeit beträgt 1 h bis einschließlich 63 A, darüber 2 h; Prüfablauf, Vorbelastung und Temperatur sind zu beachten. Die ABB-Planungshilfe beschreibt die Bedingungen für ihre B/C-Beispiele.

Die drei Charakteristiken

Charakteristik Magnetische Schnellauslösung Typische Anwendung
B 3 bis 5 × Nennstrom Steckdosen, Licht, allgemeine Hausinstallation
C 5 bis 10 × Nennstrom Motoren, Transformatoren, große LED-Anlagen
D 10 bis 20 × Nennstrom Schweißgeräte, große Motoren, Röntgentechnik

Der thermische Überlastschutz ist bei allen drei gleich. Nur die magnetische Auslösung — die bei einem Kurzschluss innerhalb von Millisekunden greift — unterscheidet sich.

Warum es überhaupt verschiedene gibt

Manche Verbraucher ziehen beim Einschalten kurzzeitig ein Vielfaches ihres Betriebsstroms. Ein Motor beim Anlauf, ein Transformator beim Einschalten, und heute besonders relevant: eine größere Zahl von LED-Leuchten. Deren Netzteile laden im Einschaltmoment ihre Eingangskondensatoren, und dieser Stoß dauert zwar nur Mikrosekunden, kann aber das Zwanzigfache des Nennstroms erreichen.

Ein B-Automat sieht darin einen Kurzschluss und schaltet ab. Ein C-Automat lässt den Stoß durch. Deshalb ist bei Beleuchtungsanlagen mit vielen LED-Treibern C oft die richtige Wahl — nicht, weil die Leitung mehr verträgt, sondern weil der Einschaltstrom sonst zu Fehlauslösungen führt.

Der gefährliche Denkfehler

Wenn eine Sicherung regelmäßig auslöst, ist die Versuchung groß, einfach auf C oder auf einen höheren Nennstrom zu wechseln. Das ist aus zwei Gründen falsch:

Erstens schützt der Leitungsschutzschalter die Leitung. Sein Nennstrom muss unter der Belastbarkeit der Leitung bleiben. Ein B16 an einer Leitung, die nur 15 A verträgt, ist bereits grenzwertig — ein B20 wäre schlicht unzulässig. Was Ihre Leitung tatsächlich trägt, zeigt die Strombelastbarkeits-Tabelle.

Zweitens muss die Abschaltbedingung eingehalten werden: Bei einem Körperschluss am Ende der Leitung muss der Schutzschalter innerhalb der geforderten Zeit abschalten — in Endstromkreisen bis 32 A innerhalb von 0,4 Sekunden. Ob das gelingt, hängt vom Schleifenwiderstand ab. Je höher die Charakteristik, desto mehr Kurzschlussstrom ist dafür nötig. Bei langen Leitungen kann ein C-Automat diese Bedingung schlicht nicht mehr erfüllen — dann schaltet er im Fehlerfall zu spät oder gar nicht magnetisch ab.

Deshalb: Charakteristik nach dem Einschaltverhalten wählen, Nennstrom nach der Leitung, und die Abschaltbedingung nachweisen. Nicht umgekehrt.

Was bedeutet das Kurzschlussausschaltvermögen?

Auf dem Gerät steht zusätzlich ein Wert wie 6000 oder 10000 im Rechteck. Das ist das Kurzschlussausschaltvermögen in Ampere — wie viel Kurzschlussstrom das Gerät unter den festgelegten Prüfbedingungen beherrscht. Das erforderliche Ausschaltvermögen richtet sich nach dem zu erwartenden Kurzschlussstrom am Einbauort und der nachgewiesenen Schutzkoordination. Eine pauschale Auswahl nur nach Gebäudeart oder Transformatornähe reicht nicht aus.

Passendes Material

Leitungsschutzschalter führen wir in 6 kA und 10 kA Kurzschlussfestigkeit, jeweils in B- und C-Charakteristik von 2 bis 63 A. Welcher Nennstrom zu Ihrer Leitung passt, rechnet der Kabelquerschnitt-Rechner gleich mit aus; bei langen Leitungen entscheidet zusätzlich der Spannungsfall.

Passende Produkte und weiteres Wissen

Asvendo Fachwissen · Stand 12.09.2026

Auslösecharakteristik B, C und D

Quellenbasierte Referenz. Die Werte gelten unter den jeweils genannten Bedingungen; eine konkrete Anlage muss durch eine Elektrofachkraft ausgelegt und geprüft werden.

Die magnetischen Prüfbänder für B, C und D gelten nach IEC/EN 60898-1 bei 30 °C Bezugstemperatur. Sie sind Prüfgrenzen, keine vollständige Zeit-Strom-Kurve.

Eigene schematische Darstellung der magnetischen Bänder B von 3 bis 5, C von 5 bis 10 und D von 10 bis 20 multipliziert mit In.
Eigene schematische Darstellung, ausdrücklich keine exakte Zeit-Strom-Kurve. Lizenz CC BY 4.0, Lizenzseite.

Magnetische Prüfbänder

Halten bei I4 und Auslösen bei I5 innerhalb von 0,1 s
TypI4: kein AuslösenI5: Auslösen
B3 × In: kein Auslösen innerhalb von 0,1 s5 × In: Auslösen innerhalb von 0,1 s
C5 × In: kein Auslösen innerhalb von 0,1 s10 × In: Auslösen innerhalb von 0,1 s
D10 × In: kein Auslösen innerhalb von 0,1 s20 × In: Auslösen innerhalb von 0,1 s

Thermischer Bereich: 1,13, 1,45 und 2,55 × In

1,13 × In
1,13 × In; kein Auslösen während der Prüfzeit von 1 h bei In ≤ 63 A und 2 h bei In > 63 A
1,45 × In
1,45 × In; muss innerhalb von höchstens 1 h bei In ≤ 63 A und höchstens 2 h bei In > 63 A auslösen
Vorzustand für 1,45 × In
Thermisch vorbelasteter Zustand nach der I1-Prüfung ohne Auslösung; keine beliebige Kaltstartzusage. Die aktuelle ABB-Tabelle 15, Fußnote 3, nennt für ihre B/C-Zeilen bis 63 A den Warmzustand nach I1 > 1 h ausdrücklich.
2,55 × In
Toleranzprüfung: 1 s < t < 60 s bei In ≤ 32 A; 1 s < t < 120 s bei In > 32 A

Die gedruckte Siemens-Seite 31 nennt die B/C/D-Prüfströme und Zeitbereiche; die aktuelle ABB-Tabelle 15 konkretisiert den Warmzustand im B/C-Beispiel bis 63 A.

Grenzen der Tabelle

  • Dies sind standardisierte Prüfbänder, keine pauschale Empfehlung für einen Stromkreis. Gerätefreigabe, zu erwartender Kurzschlussstrom, Leiterschutz und Verlegebedingungen bleiben getrennt zu prüfen.
  • Die angegebene thermische Bezugstemperatur gilt für B/C/D nach IEC/EN 60898-1; andere Produktnormen können andere Kennlinienbegriffe verwenden.

ABB Rev. H (07/2026), Tabelle 15, gedruckte Seite 22: B/C-Bereiche und Fußnote zum Warmzustand. D-Grenzen aus Siemens, gedruckte Seite 31.

Asvendo: „Auslösecharakteristik B, C und D“, Stand 12.09.2026, https://asvendo.de/blogs/ratgeber/ausloesecharakteristik-b-c-d

Quellen, Version und Stand

Paketversion 1.0.0; Stand 12.09.2026. Die Lizenz CC BY 4.0 gilt nur für die eigene Darstellung, nicht für verlinkte oder zitierte Fremd-PDFs.

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