Neozed, Diazed und D02: Schmelzsicherungen erklärt
Diazed (D) und Neozed (D0): der Unterschied
Diazed und Neozed sind Schraubsicherungssysteme mit Schmelzeinsatz. Die Systeme unterscheiden sich in Bauform und Abmessungen; Siemens führt beide als eigene SENTRON-Sicherungssysteme. Ein Einsatz wird nicht nur nach Ampere gewählt. Baugröße, Kennlinie, Spannung, Ausschaltvermögen und das passende Sicherungselement müssen zusammenpassen.
Bei Neozed liegen die Einsätze in kompakteren D0-Baugrößen. Diazed verwendet die klassische D-Bauform. Bei Diazed begrenzt eine Passschraube die passende Baugröße; bei Neozed übernehmen Passeinsatz beziehungsweise Passhülse diese Zuordnung. Sockel, Adapter und Einsatz bilden jeweils ein zusammengehöriges System. NH-Sicherung
Tabelle: Baugrößen und Nennstrombereiche
Die folgende Vergleichstabelle folgt Tabelle 3.4 der Siemens-Technikfibel für Sicherungssysteme (Ausgabe 2016). Sie ist eine historische Herstellerübersicht, keine aktuelle Freigabe und keine Farbtabelle. Für die konkrete Auswahl entscheiden Aufdruck, Sockel, Adapter, Spannung, Ausschaltvermögen und das aktuelle Gerätedatenblatt.
| System | Baugröße | Gewinde | Nennstrombereich |
|---|---|---|---|
| Neozed | D01 | E14 | 2–16 A |
| Neozed | D02 | E18 | 20–63 A |
| Neozed | D03 | M30 × 2 | 80–100 A |
| Diazed | DII | E27 | 2–25 A |
| Diazed | DIII | E33 | 32–63 A |
Die Bereiche dienen zur Einordnung der Baugrößen. Ein D02-Einsatz ist nicht deshalb passend, weil der vorhandene Sockel ähnlich aussieht. Bei Neozed wird der Passschutz über Passeinsatz oder Passhülse, bei Diazed über die dafür vorgesehene Passschraube umgesetzt.
Neozed-Sicherung wechseln
Ein Schmelzeinsatz wird nur in einer dafür vorgesehenen, freigeschalteten Anlage gewechselt. Vorher wird die Fehlerursache geklärt: Überlast, Kurzschluss, falsche Auswahl oder ein defektes Gerät. Der Austausch gegen einen höheren Nennstrom beseitigt die Ursache nicht und kann Leitung sowie Schutzmaßnahme gefährden.
Nach dem Wechsel wird der Sitz kontrolliert und die Anlage auf Erwärmung oder wiederholtes Auslösen beobachtet. Arbeiten an plombierten Bereichen, vor dem Zähler oder an NH-Systemen gehören in die Zuständigkeit des Netzbetreibers oder einer Fachkraft. Auslösecharakteristik B, C oder D
Schmelzsicherung oder Leitungsschutzschalter
Eine Schmelzsicherung unterbricht den Stromkreis durch das Schmelzen des Einsatzes und muss nach Auslösung ersetzt werden. Ein Leitungsschutzschalter kann nach der Auslösung wieder eingeschaltet werden, hat aber andere Auslösekennwerte und eine andere Bauform. Der Wechsel des Schutzprinzips erfordert eine Prüfung von Kurzschlussfestigkeit, Selektivität, Platz und Verdrahtung.
Auslösecharakteristik gG
gG bezeichnet einen Ganzbereichs-Sicherungseinsatz für allgemeine Anwendungen. Die Kennzeichnung beschreibt die vorgesehene Funktion, nicht pauschal jede zulässige Anwendung. Motoren, Halbleiter und Transformatoren können andere Einsatzarten benötigen. Der Aufdruck und das Datenblatt des Herstellers gehen vor. Leitungsschutzschalter erklärt den Unterschied zwischen Sicherungs- und Leitungsschutzkennlinien.
Einsatz vor Zähler und im Verteiler
Vor dem Zähler gelten Netzbetreiber- und Plombierungsvorgaben. Im privaten Verteiler wird geprüft, ob der Sockel zugänglich, passend abgesichert und dokumentiert ist. Arbeiten an NH-Systemen gehören in die dafür vorgesehene Fachzuständigkeit. Sicherungskästen und die Siemens-Technikfibel helfen bei der Bestandsaufnahme, ersetzen aber keine Freigabe der konkreten Anlage.
Die Passschraube ist ein mechanischer Teil des Systems und keine zusätzliche elektronische Sicherung. Sie verhindert, dass ein Einsatz mit höherem Nennstrom in einen dafür nicht vorgesehenen Sockel eingesetzt wird. Der Farbcode wird am Einsatz und in der Herstellerdokumentation geprüft; ein verblasster Ring oder ein nachträglich beschrifteter Einsatz ist kein ausreichender Nachweis.
Schmelzeinsätze haben außerdem eine Zeit-Strom-Kennlinie. Ein kurzzeitiger Einschaltstrom kann sich anders auswirken als eine dauerhafte Überlast. Deshalb wird bei wiederholtem Auslösen nicht einfach eine trägere oder größere Sicherung gewählt. Gerät, Leitung, Last und Vorsicherung werden gemeinsam beurteilt. Bei Arbeiten an Anlagen vor dem Zähler gelten zusätzliche Betreiber- und Plombierungsvorgaben.
Bei der Bestandsaufnahme werden Sockel, Passschraube, Einsatzaufdruck und die Beschriftung des Stromkreises gemeinsam fotografiert. Ein D01-, D02- oder D03-System darf nicht anhand des Durchmessers allein identifiziert werden. Nach einer Umrüstung auf Leitungsschutzschalter wird die gesamte Schutzkoordination neu bewertet; der Schalter übernimmt nicht automatisch dieselbe Kennlinie wie der frühere Einsatz.
Die Herstellerangabe zum Ausschaltvermögen ist bei einem möglichen Kurzschluss besonders relevant. Ein Einsatz, der elektrisch ähnlich aussieht, kann für die vorhandene Kurzschlussleistung ungeeignet sein. Deshalb werden Baugröße, Nennspannung und Kennzeichnung vor dem Ersatz geprüft und der Zustand des Sockels mitbewertet.
Bei alten Verteilern können Beschriftungen fehlen oder mehrere Räume an einem Einsatz hängen. Vor dem Wechsel wird deshalb der zugehörige Stromkreis identifiziert und die Auswirkung des Abschaltens geprüft. Ein Schmelzeinsatz wird nicht wiederholt ersetzt, ohne die Ursache der Auslösung zu suchen. Bei Wärme, Geruch oder beschädigtem Sockel bleibt der Stromkreis außer Betrieb, bis die Fachkraft ihn untersucht.
Die Herstellerbezeichnung bleibt am Einsatz lesbar. Bei unklarer Baugröße wird nicht geraten, sondern der Sockel fachgerecht identifiziert.
Das schützt vor einem Ersatz mit falscher Passung.