
Hutschiene und Phasenschiene: was hält und was verbindet
Zwei Bauteile, die im Verteiler nebeneinander liegen und regelmäßig verwechselt werden. Die Hutschiene ist Mechanik. Die Phasenschiene ist Strom.
Die Hutschiene: ein Maß, das alles bestimmt
Die gängige Tragschiene heißt TH35 und ist in DIN EN 60715 genormt: 35 mm breit, je nach Ausführung 7,5 oder 15 mm hoch. Jedes Reiheneinbaugerät rastet darauf, unabhängig vom Hersteller. Das ist der eigentliche Grund, warum sich Verteiler mischen lassen.
Die zweite Norm, die dazugehört, ist DIN 43880. Sie legt die Teilungseinheit fest: 18 mm Breite. Ein Leitungsschutzschalter belegt eine Teilungseinheit, ein vierpoliger FI vier, ein Ableiter je nach Bauart zwei bis vier. Wie viele Reihen ein Verteiler dafür braucht, rechnet der Verteiler-Rechner aus.
Die Phasenschiene: Gabel oder Stift
Statt jeden Automaten einzeln anzudrahten, wird der Außenleiter über eine Kammschiene weitergereicht. Zwei Bauformen sind verbreitet:
- Gabelausführung — die Zinke umgreift die Klemme. Passt zu Geräten mit Doppelklemme, bei denen zusätzlich eine Ader eingeführt werden kann.
- Stiftausführung — die Zinke steckt in die Klemme. Passt zu Geräten mit einfacher Klemmöffnung.
Beide Bauformen lassen sich nicht mischen, und sie passen nicht zu jedem Gerät. Maßgeblich ist die Klemmengeometrie des Automaten, nicht der Hersteller der Schiene.
Ein-, drei- und vierpolig
Die einpolige Schiene verbindet Abgänge derselben Phase — der Normalfall hinter einem FI. Die dreipolige Schiene reicht L1, L2 und L3 im Wechsel weiter und wird für Drehstromabgänge oder zur gleichmäßigen Aufteilung der Außenleiter genutzt. Kommt der Neutralleiter mit — bei FI/LS-Kombischaltern —, braucht es eine 3+N-Schiene, denn diese Geräte schalten den N mit.
Der Fehler, der teuer wird: eine Schiene über zwei FI-Kreise
Eine Kammschiene darf nur Abgänge verbinden, die hinter demselben Fehlerstromschutzschalter liegen. Läuft sie über zwei FI-Gruppen hinweg, sind die Stromkreise auf der Außenleiterseite verbunden, während die Neutralleiter getrennt bleiben. Das Ergebnis ist ein FI, der ohne erkennbaren Grund auslöst — oder schlimmer: einer, der im Fehlerfall nicht auslöst, weil sich die Ströme über die Nachbargruppe schließen.
Wer im Verteiler eine zweite FI-Gruppe nachrüstet, muss die vorhandene Schiene deshalb trennen. Sie durchlaufen zu lassen und nur die Automaten umzuklemmen, reicht nicht. Zum Thema Fehlauslösung gibt es einen eigenen Ratgeber: FI-Schalter löst aus.
Kürzen: die Endkappe ist kein Zubehör
Kammschienen werden auf Länge geschnitten. Nach dem Schnitt liegt eine spannungsführende Kupferkante frei, und sie liegt genau dort, wo im Verteiler von Hand gearbeitet wird. Die mitgelieferte oder passend gekaufte Berührungsschutzkappe gehört auf jedes geschnittene Ende — auch auf das, das man später mit einer Abdeckung verdeckt.
Zweiter Punkt beim Kürzen: Der Querschnitt der Schiene begrenzt den Strom, den sie führen darf. Übliche Werte sind 10 oder 16 mm². Die Summe der dahinterliegenden Abgänge darf diesen Wert nicht überschreiten, auch wenn jeder einzelne Automat kleiner ist.
Sammelklemmen für N und PE
Was die Phasenschiene für den Außenleiter ist, sind Klemmenblöcke für Neutral- und Schutzleiter. Im Kleinverteiler sitzen sie meist als vorkonfektionierte PE/N-Klemme am Rand. Wichtig: In einer TN-S-Anlage bleiben N und PE ab dem Verteiler getrennt — zwei Blöcke, keine Brücke.
Für einzelne Abgänge, die nicht in den Blockklemmen unterkommen, gibt es Reihenklemmen zum Aufrasten auf dieselbe Hutschiene. Mehr dazu im Ratgeber Klemmen im Vergleich.
Arbeiten an der Elektroinstallation
Das Errichten, Ändern und Instandsetzen elektrischer Anlagen ist nach DIN VDE 0105-100 einer Elektrofachkraft vorbehalten. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und ersetzt keine Ausbildung. Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.
Passendes Material
Schienen, Klemmen und Abdeckstreifen finden Sie beim Verteilerbauzubehör, passende Gehäuse beim Sicherungskasten. Wie viele Teilungseinheiten Ihre Planung braucht, sagt der Verteiler-Rechner.

