
IP-Schutzarten: was die beiden Ziffern bedeuten
IP steht für zwei getrennte Prüfungen: die erste Ziffer für feste Fremdkörper und Berührung, die zweite für Wasser. IP65 heißt also staubdicht und strahlwassergeschützt.
Welche IP Schutzarten gibt es?
Die erste Ziffer läuft von 0 bis 6, die zweite von 0 bis 8 — rechnerisch also 63 Kombinationen. In der Elektroinstallation begegnen einem davon fünf: IP20, IP44, IP54, IP55 und IP65.
Alles darunter ist ungeschützt, alles darüber ist Sonderbau. IP20 ist der Innenraum-Standard für Schalter und Steckdosen, IP44 deckt Keller, Garage und geschützte Außenwand, IP65 den Bereich, in dem mit dem Schlauch gereinigt wird. Festgelegt sind die Stufen in DIN EN 60529.
Was ist die IP-Schutzartentabelle?
Die Tabelle ordnet jeder Ziffer eine Prüfbedingung zu. Erste Ziffer: von 50 mm großen Fremdkörpern bis staubdicht. Zweite Ziffer: von senkrechtem Tropfwasser bis dauerndem Untertauchen.
Der Punkt, den die meisten Tabellen nicht erwähnen: bei der ersten Ziffer schließt jede Stufe alle darunter ein, bei der zweiten gilt das nur bis 6. Ein Gerät mit IPX7 ist gegen Untertauchen geprüft, gegen Strahlwasser aber nicht automatisch — dafür muss beides angegeben sein, etwa IP65/IP67. Wer eine Außensteckdose nach IP67 kauft und sie abspritzt, hat sie außerhalb ihrer Prüfung betrieben.
Was bedeutet IP44 und IP65?
IP44 heißt: geschützt gegen feste Fremdkörper ab 1 mm und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. IP65 heißt: staubdicht und geschützt gegen Strahlwasser aus einer 6,3-mm-Düse.
Praktisch ist der Unterschied der zwischen „es regnet dagegen" und „es wird abgespritzt". IP44 reicht für Garage, Keller, Carport und eine geschützte Hauswand. IP65 gehört dorthin, wo mit dem Schlauch gereinigt wird, und in die Schutzbereiche 1 und 2 eines Bades nach DIN VDE 0100-701.
Wichtig dabei: die Schutzart entsteht erst bei der Montage. Eine offene Öffnung oder eine zu weite Kabelverschraubung macht aus IP65 wieder IP20 — nachzulesen in der Anleitung IP65 richtig montieren.
Was ist besser, IP44 oder 55?
IP55 ist in beiden Ziffern höher: staubgeschützt statt nur fremdkörpergeschützt, und Strahlwasser statt Spritzwasser. Für den vorgesehenen Ort ist es damit nicht automatisch besser, sondern nur dann, wenn der Ort das verlangt.
Eine höhere Schutzart kostet Geld, Bauraum und oft Bedienkomfort — Klappdeckel, Dichtungen, Verschraubungen statt Membranen. Wer im trockenen Innenraum IP55 einbaut, zahlt für eine Prüfung, die dort nie gefordert wird. Umgekehrt ist IP44 an einer Fassade, die im Winter abgespritzt wird, zu wenig. Die Frage ist deshalb nie „welche ist besser", sondern „was passiert an diesem Ort" — dafür gibt es den IP-Schutzart-Finder.
Schutzart ist nicht Schutzklasse
Die beiden werden ständig verwechselt. Die Schutzart (IP) beschreibt, was von außen hineinkommt. Die Schutzklasse (I, II, III) beschreibt, wie das Gerät gegen elektrischen Schlag schützt: Klasse I über den Schutzleiter, Klasse II über doppelte Isolierung, Klasse III über Kleinspannung. Ein Gerät kann IP65 und Schutzklasse II sein — beides sagt nichts über das andere aus.
Passendes Material
Geräte für Feuchtraum und Außenbereich stehen unter Aufputz-Steckdosen und -Schalter, Verteiler unter Aufputz-Verteilerkästen, Verbindungen unter Abzweigdosen.
